Wie funktioniert ein Elektrozaun?

Jeder, der in irgendeiner Form Tiere auf einer Weide hält, verwendet heutzutage selbstverständlich einen Elektrozaun. Schon in den 1930er Jahren wurden sowohl in Neuseeland als auch in den USA Herden mit elektrischen Weidezäunen umzäunt. Und 1942 erfand Paul Kolb in Deutschland das erste Weidezaungerät. Die Technik entwickelte sich immer weiter und heute gibt es sogar schon solarbetriebene Weidezaungeräte und Weidezaungeräte mit GPS-Sendern. Früher bestand ein elektrischer Weidezaun aus einem leitenden Stahldraht. Der war recht teuer, sehr starr und ziemlich mühsam aufzubauen. Heute lassen sich Weidezäune mit Leitermaterial aus Kunststoff in Form von Litzen, Seilen und Bändern viel schneller, einfacher und kostengünstiger aufbauen und reparieren. Und im Fall einer mobilen Anlage, die nur für die Weidesaison genutzt wird, auch schnell wieder abbauen. Die stromführenden dünnen Drähte sind in den Kunststoff eingewebt.

Funktionsweise eines Elektrozauns

Ziel eines Elektrozauns ist es nicht, den Tieren Schmerzen zuzufügen, sondern für die Tiere eine psychologische Barriere zu schaffen. Berührt ein Tier das Weidezaunseil oder -band, erhält es einen unangenehmen aber ungefährlichen Stromschlag. Das Tier „lernt“ den unangenehmen Stromschlag des Zauns und hält sich von ihm fern. (Nicht so wie wir Menschen 😉 Litzclip-Weidezaunverbinder-Stromkreis-Weidezaun.png Ein Elektrozaun besteht aus folgenden Hauptkomponenten:

Das stromerzeugende Weidezaungerät (A)

Das Weidezaungerät ist mit dem Leitermaterial des Elektrozauns und mit der Erde verbunden (B). Es erzeugt regelmäßige, kurze Hochspannungsimpulse, so dass zwischen Zaun und Erde eine Spannung anliegt. Der Stromkreis ist also nicht geschlossen. Erst wenn ein auf dem Boden stehendes Tier den Weidezaun berührt, wird der Stromkreis geschlossen und der Strom fließt durch das Tier und die Erde zurück zum Weidezaungerät. Das Tier nimmt diesen Stromdurchfluss als kurzen Stromschlag wahr.

Das stromführende Leitermaterial (C)

Als Leitermaterial dienen in Kunstoff eingeflochtene Drähte aus den stromführenden Materialien rostfreier Stahl, verzinntes Kupfer oder TriCOND. Wie gut das Material den Strom leitet, ist vor allem vom materialeigenen Widerstand abhängig (gemessen in Ω). So gibt es Leitermaterial, das für kleinere mobile Weiden ausreichend ist, anderes Leitermaterial eignet sich für Elektrozäune mit einer Länge von mehreren Kilometern. Leitermaterial aus Kunststoff ist im Vergleich zu herkömmlichem Draht viel einfacher handzuhaben und reduziert das Verletzungsrisiko der Tiere. Meistens wird das Leitermaterial in mehreren Reihen übereinander gespannt.

Zaunpfähle und Isolatoren (D und E)

Die Zaunpfähle geben dem Zaun die Stabilität und führen das Leitermaterial. Doch damit der Elektrozaun einwandfrei funktioniert, darf auf keinen Fall irgendwo am Zaun Strom in die Erde abfließen. Sonst wäre die Spannung weg und die Tiere würden keinen Stromschlag mehr erhalten, sprich der Elektrozaun wäre nutzlos. Das heißt, bei Zaunpfählen aus leitendem Material, wie Holz oder Stahl, wird das Leitermaterial nicht direkt am Zaunpfahl befestigt, sondern durch sogenannte Isolatoren geführt, die das Leitermaterial vom Zaunpfahl isolieren. Bei Zaunpfählen aus Kunststoff kann das Leitermaterial auch direkt am Zaunpfahl angebracht werden.

Die Erdung des Weidezaungeräts (F)

Eine saubere Erdung ist unerlässlich, damit der Strom bei einer Berührung des Weidezauns ungehindert wieder zum Weidezaungerät zurückfließen kann. Die Erdung besteht aus mindestens einem Stahl-Erdstab, der 1m tief in die feuchte Erde gerammt wird. Bei starken Elektrozäunen werden drei Erdstäbe mit einem Abstand von 3m in den Boden gerammt. Die Erdstäbe werden miteinander in Reihe und mit dem Erdanschluss des Elektrozaungerät verbunden. Mangelnde Erdung ist eine häufige Ursache für nicht einwandfrei funktionierende Elektrozäune.